«Verkaufe dich schlechter, als du bist»

Bei einem Bier im Oktober 2016 hatten Nicholas Hänny und sein Sandkastenfreund Robin Gnehm die Idee, NIKIN zu gründen. Nach fünf Jahren macht das Unternehmen mit nachhaltigen Kleidern und Produkten über 13 Millionen Franken Umsatz und beschäftigt rund 40 Mitarbeitende. Besonders: Pro verkauftes Produkt lassen sie einen Baum pflanzen. Aus einer Bieridee wurde eine Erfolgsgeschichte.

Von: Djulijana Kilic | Datum: 03. August 2021 | Lesedauer: 10 Min

Ein gewisser Unternehmergeist zeichnete Nicholas schon früh aus. Er verkaufte während seines Stu­diums an der Universität St.Gallen selbstgemachte «Beutelsäcke». Was als Hobby begann, entwickelte sich zu einem Unternehmen mit einer international bekannten Trendmarke.

Ohne Businessplan zum Ziel
Nicholas’ Traum war immer, ein Unternehmen mit zehn Mitarbeitenden und einer Million Umsatz aufzubauen. Doch fast unbemerkt erreichte er dieses Ziel bereits vor Abgabe seiner Masterarbeit und noch vor seinem Vollzeiteinstieg bei NIKIN. Ohne Businessplan handelten er und sein Co­-Founder so, wie es für sie Sinn machte. Sie promoteten ihre Produkte mit selbstgemachten Bildern. Genau das sprach die Masse an. Mit viel Authentizität und wenig Geld wurde NIKIN immer bekannter.

«Zeitweise wurde ich belächelt und als ‹Säckli-Nicholas› verspottet.»

Von 5000 Franken Startkapital auf 13 Millionen Franken Umsatz
Was die beiden Gründer Nicholas und Robin besonders stolz macht: «Wir konnten jedes Jahr Gewinne verzeichnen und sind all die Jahre ohne Investoren und Bankdarlehen ausgekommen.» Die Bilanz der Unternehmer: Mit 5000 Franken Startkapital machten sie im Jahr 2020 bereits 13 Millionen Franken Umsatz und haben mittler­weile über eine Million Bäume auf allen Kontinenten gepflanzt. Trotz dieser eindrücklichen Zahlen blieb der 29-­jährige Nicholas bescheiden: «Mir persönlich ist und war eine gewisse Demut wichtig. Ich lebe nach dem Motto ‹Verkauf dich schlechter, als du bist›.» 

Ein digitaler Netzwerker
Obwohl Nicholas ein hervorragender Redner ist, mochte er Smalltalk und Networking nie besonders. Trotzdem hat er sich dank LinkedIn & Co. ein grosses Netzwerk aufbauen können. Anfang 2020 fing er mit regelmässigen Postings auf LinkedIn an. Da sah er bereits, welches Potenzial das Business­netzwerk ihm persönlich und beruflich bringen könnte. «Du bekommst viel mehr Reichweite als nur die Anzahl Menschen, die dir folgen. So kann man organisch sehr schnell wachsen», resümiert er. Nicht zuletzt hat er dank LinkedIn Anfragen für Podcasts und Verwaltungsratsmandate erhalten, wurde zum Aargauer des Jahres 2019 gewählt und 2021 sogar für die Forbes DACH­-Liste «30 under 30» nominiert.

Kritik von anderen überwinden
Ursprünglich peilte Nicholas eine Karriere im Consulting an. Doch ergab sich keine Festanstellung, was sich im Nachhinein als Glücksfall herausstellte. Heute will er andere motivieren, selbst aktiv zu werden und die Selbständigkeit zu wagen. Während seinen Anfängen wurde ihm häufig geraten, zuerst etwas «Richtiges» zu arbeiten, bevor er sich selbstän­dig machte. Heute ist er froh, dass er diese wohl­gemeinten Ratschläge ignorierte. «Ich wurde belächelt und teilweise als ‹Säckli-­Nicholas› verspottet. «Das hat mich damals sehr geärgert und gleichzeitig umso mehr angespornt weiter­zumachen», blickt er auf diese Zeit zurück.

«Nach meiner Zeit als Unternehmer möchte ich ein Restaurant oder eine Bar eröffnen – oder in Brasilien leben.»

Persönliche Entwicklung durch Selbständigkeit
Durch die Selbständigkeit konnte er sich viel Wissen aneignen. Auch persönlich entwickelte er nicht nur Skills, sondern veränderte fundamental seine Lebenseinstellung. Ihm war die Verantwortung bewusst, dass Arbeitsstellen an seinem Unterneh­men hängen. Er arbeitete selbst teilweise 15 bis 16 Stunden täglich und auch am Wochenende. Trotzdem würde er nicht wechseln wollen. Seine Stärke sieht er darin, Leute zu inspirieren, und wie er sagt, im «einfach Machen».

Und danach?
Trotz allem möchte Nicholas nicht bis zur Pension bei NIKIN bleiben. «Irgendwann möchte ich meine 30 Kilogramm Tee, die noch im Keller sind, verkaufen und einen eigenen Tee­-Brand aufziehen, ein Restaurant oder eine Bar eröffnen oder in Brasilien leben. Und in zwei bis drei Jahren eine Familie gründen und viel Zeit mit ihr verbringen», so die Pläne des Jungunternehmers. Bei ihm ist offensichtlich «h»ännything möglich.

Nicholas Hänny gründete nach seinem Studium  die nachhaltige Kleidermarke NIKIN.

Nicholas Hänny gründete nach seinem Studium die nachhaltige Kleidermarke NIKIN.

ZUR PERSON

Nicholas Hänny ist Mitgründer von NIKIN. Ein Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, das sich auf bezahlbare, nachhaltige Kleider und Produk-te spezialisiert hat. Pro verkauftes Produkt wird ein Baum gepflanzt – mittlerweile sind es über eine Million Bäume. Während seiner Studienzeit war Nicholas Mitglied des Young Entrepreneurs Clubs und Mitgründer des Poker Clubs an der Universität St.Gallen. nikin.ch

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