Coaching als professionelle Begleitung

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Gewohntes auf den Kopf gestellt wird und sicher Geglaubtes eine Metamorphose erlebt, gewinnt Coaching an Bedeutung. Die professionelle Begleitung bietet Menschen mit dem Ziel der beruflichen Weiterentwicklung einerseits inhaltliche und methodische Unterstützung, andererseits einen sicheren Hafen. Dort ist Raum und Zeit zum Reflektieren, Ausprobieren und Verdichten. Je nach Coach*in, Coachee und dem gemeinsamen Arbeitsbündnis sieht die Ausgestaltung des Prozesses sehr unterschiedlich aus. Aber in welchen Situationen ist es eigentlich hilfreich, sich an eine*n Karrierecoach*in zu wenden?

Zeit für Veränderung

Auslösend für die Kontaktaufnahme mit einem*r Karrierecoach*in sind häufig Phasen beruflicher Unzufriedenheit oder (Selbst-)Unsicherheit, Langeweile oder Überforderung, Entscheidungsschwierigkeiten oder Konflikte am Arbeitsplatz, der Wunsch nach Veränderung oder auch erzwungene Veränderung, häufig auch unerfüllte Sehnsüchte und Abenteuerlust. Bildlich gesprochen, bietet ein*e Coach*in also Unterstützung auf der Fahrt in unruhigen oder auch (zu) seichten Gewässern. Die Anliegen der Klient*innen sind den Auslösern entsprechend breit gefächert, ebenso die Methoden, mit denen zum jeweiligen Thema gearbeitet wird.

Wer bin ich, wohin gehe ich und mit wem?

Der Karriereberatungsprozess beginnt in der Regel mit einer Standort- und Zielbestimmung. Darauf folgt die Begleitung im gesamten Bewerbungsprozess, von der Stellensuche, über die schriftliche Bewerbung und ein mögliches Interviewtraining bis hin zum Onboarding. Mögliche Themen sind: Persönliche Prägung, Neigungen und Werte, Erfolge, Kompetenzen und Potenziale, Wünsche, Visionen und Ziele, Beziehungen und Netzwerk. Insgesamt geht es bei allen Themen um das Bewusstmachen und die Schärfung des eigenen Profils und damit auch um die Beantwortung der Fragen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und mit wem? Je nach Angebot und Anliegen werden unterschiedliche Aspekte besonders in Augenschein genommen und andere rücken in den Hintergrund. Meist geht es neben der Profilarbeit auch um die Vermittlung von konkretem Bewerbungswissen, den aktuellen Hacks, die eine Bewerbung mit größerer Wahrscheinlichkeit erfolgreich sein lassen.

Den eigenen Kurs finden

Ein*e Coach*in begleitet also auf einer Reise durch unbekannte Gewässer. Er*Sie kennt die Gegebenheiten, bietet Stabilität und Unterstützung, ohne aber den Hafen zu kennen. Das Wissen um das Ziel entsteht aus dem*r Klienten*in selbst. Auf dem Meer der Karriereberatung liegen die Prozessschritte wie Inseln, an denen Coach*in und Coachee gemeinsam anlegen, sich umschauen und je nach Anliegen länger verweilen, vielleicht sogar ein Lager aufschlagen oder gleich wieder an Bord gehen, wenn es nichts zu entdecken gibt. Manchmal kehren sie auch an bekannte Strände zurück, weil sie noch auf einen kleinen Schatz gestoßen sind, den es dort auszugraben gilt. Auf offener See können immer mal wieder kleinere oder auch größere Fische ihre Aufmerksamkeit wecken. Wo es sich lohnt den Anker zu werfen, entscheidet in der Regel der*die Coachee. Der*Die Coach*in ist dafür verantwortlich, dem*r Coachee das benötigte Equipment zu reichen, damit er*sie auf dem Meer zurechtkommt und im Idealfall nicht seekrank wird (und falls es doch einmal dazu kommt, kurative Mittel zur Hand hat).

Biografische Schatzsuche

Um sich den eigenen Qualitäten und Stärken bewusst zu werden, kann die Arbeit mit der (beruflichen) Biografie helfen. Die Life Line dient zum Beispiel einem ressourcenorientierten Blick in die Vergangenheit, der erlaubt auf die Suche nach Schätzen in der eigenen Lebensgeschichte zu gehen. So kann das gegenwärtige Profil durch bewältigte Herausforderungen und erlebte Erfolgsgeschichten angereichert werden. Außerdem ermöglicht diese Methode einen vorausschauenden Blick in die Zukunft und auch einen Rückblick aus der Zukunft. Was ist mein Ziel? Wie weit ist es noch entfernt? Welche Zwischenziele liegen auf dem Weg? Wie werde ich mich fühlen, wenn ich am Ziel angekommen bin? Was wird mir geholfen haben? Damit sich hierbei keine Taue im Kopf verheddern, steht der*die Coach*in als Knotenkünstler*in an der Seite des*der Coachee.

Der Stern, an den ich meinen Karren hänge

Weniger den konkreten Zielen als den Fragen nach großen Sehnsüchten und Herzenswünschen widmet sich die Visionsarbeit. Dabei kann beispielsweise visuell mit Hilfe eines Visionboards oder auch emotionsfokussiert mit Imaginationen gearbeitet werden. Aus einem anziehenden Zukunftsbild, das Antriebsenergie verleiht, lassen sich dann im Verlauf spezifische Schritte auf dem Weg zum (beruflichen) Glück ableiten.

Innere Konferenzen abhalten

Bei Entscheidungsschwierigkeiten und erlebten Sackgassen kann die Arbeit mit dem inneren Team helfen. Schulz von Thun entwickelte dieses Persönlichkeitsmodell, um die Komplexität innerer Vorgänge abzubilden. Das innere Team setzt sich dabei aus den inneren Anteilen einer Person zusammen, die jeweils durch ein Teammitglied vertreten werden. So werden Ambivalenzen und innere Reichhaltigkeit deutlich. Verinnerlichte Überzeugungen und Glaubenssätze, gewachsen aus bedeutsamen Lernerfahrungen, können zuerst bewusst gemacht und anerkannt, später gegebenenfalls hinterfragt und verändert werden. Ziel ist es, eine achtsame, verständnisvolle und zugleich konsequente Teamleitung zu implementieren. Das innere Team bietet wunderbarerweise nicht nur in Coachingsitzungen Verstärkung, sondern kann jederzeit reaktiviert und zu Rate gezogen werden. So ist es ein Beispiel für viele Tools, die Coachees an die Hand bekommen, mit denen sie selbstständig weiterarbeiten können.

Raus in die Welt(meere)

Nach der Erkundung, Anreicherung und Schärfung des Profils geht es darum, all die ausgegrabenen Schätze in eine Form zu bringen, sie zu verkörpern und gut zu vermarkten. Dazu braucht es konkretes Wissen rund um Bewerbung, Außenwirkung und Kommunikation. Neben der Erstellung von Lebenslauf und Anschreiben ist es in diesem Schritt deshalb von Bedeutung, sich den eigenen Markenbotschaften, dem Storytelling und Networking zu widmen. Dieser Prozessschritt macht es möglich, sich authentisch und mit Freude von seiner Schokoladenseite zu zeigen. Hier wollen die Coachees meist schon die Segel hissen und sich mutig in neue Gewässer wagen – Leinen los!

 

Quelle: goodjobs.eu

zum Artikel
VON
Patricia Heemskerk

Patricia Heemskerk

Beraterin Student Career Services