«Sinnhaftigkeit als Turbo-Driver für deinen Karriereweg»

In welchen beruflichen Tätigkeitsfeldern kann ich meine Fähigkeiten einbringen? Welche Branche passt zu mir? Welchen Karriereweg sollte ich einschlagen? Drei wichtige Fragen, welche die Studierenden im Rahmen unseres CSC-Beratungsformats «Standortfindung» oft beschäftigen. Wir helfen, sie zu klären. 

Von: Elke Wüst | Datum: 31. August 2020 | Lesedauer: 8 Min

Allem voran gilt: Neben den «Hard Facts» wie Kompetenzen und Interessen sind auch «Soft Skills» wie persönliche Stärken und Werte bei der Auslotung möglicher Karriereoptionen einzubeziehen. Die Auswertung des HSG Career Profilers fliesst dabei in die Beratungen ein. Dieser «Test» basiert auf wissenschaftlich validen Konzepten, die für sämtliche Berufsfelder entwickelt wurden, um mit möglichst breiter Perspektive Impulse für passende Karrierewege zu geben. Wichtig ist, auch die individuellen Motivatoren bei der Karriereplanung zu berücksichtigen.

Klassische Karriere als Auslaufmodell

In den Beratungen kristallisiert sich oft heraus, dass Studierende in ihrer Tätigkeit eine Sinnhaftigkeit erkennen möchten, um nachhaltig motiviert und «mit Herzblut» ihre Stärken und ihr Potenzial mobilisieren zu können. Auch in der Xing-Gehaltsstudie 2019 (*) wird deutlich, dass die «klassische Karriere» mit einem zentralen monetären Ansporn «ein Auslaufmodell» ist. Vielmehr verfolgen Arbeit-nehmende zunehmend das Ziel, einen Job auszuüben, der «erfüllt und fordert – und darüber hinaus mit dem Leben im Sinne der viel zitierten Work-Life-Balance harmoniert». 

«Wahrgenommene Sinnhaftigkeit bei der Arbeit dient aus meiner Sicht als natürliche Energiequelle für die Potenzialentfaltung.»

Gemäss dieser Studie sind in der Schweiz 62 Prozent der Befragten bereit, für eine erfüllende Tätigkeit oder eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Aufgabe Verdiensteinbussen zu akzeptieren; in Deutschland liegt dieser Wert bei 50, in Österreich bei 49 Prozent. Im Kontext der Fragestellung, welche beruflichen Tätigkeitsfelder oder Branchen passen, lohnt es sich – in Anlehnung an Tatjana Schnell, Sinnforscherin, Universität Innsbruck –, die jeweilige Relevanz der «Sinnhaftigkeit» individuell im Hinblick auf folgende vier Punkte zu beleuchten:

Wie sehr ist dir in hoch arbeitsteilig und spezialisiert organisierten Wertschöpfungssystemen der direkte Einfluss auf die Produkte oder Dienstleistungen wichtig? Wie sehr schliesst du nicht nachhaltige Betätigungsfelder aufgrund der möglichen Ziel- und Rollenkonflikte aus? Analysierst du also deine persönlichen Voraussetzungen für Sinnstiftung und damit für eine Identifikation mit dem Arbeitgebenden bzw. eine intrinsische Motivation? Hieraus ergibt sich in der Folge die Frage der Bedeutsamkeit.

Frag dich, wie sehr du erfüllt bist, wenn du ein Kundenproblem lösen oder allgemein Menschen fördern bzw. unterstützen kannst. Hier kann auch die im Folgenden erwähnte Kohärenz eine wichtige Rolle spielen.

Hinterfrage gezielt deine Interessen. Hat deine Naturverbundenheit eine tiefere Bedeutung im Sinne von Nachhaltigkeitsbeiträgen auf gesellschaftlicher Ebene oder dient sie dir lediglich als Ausgleich zu kognitiven Herausforderungen?

Hier angesprochen sind die höheren Zieldimensionen nach Maslow, die über die reinen Existenzsicherungsbedürfnisse oder die blosse Zugehörigkeit zu einer Organisation hinausgehen.

Wahrgenommene Sinnhaftigkeit bei der Arbeit dient aus meiner Sicht als natürliche Energiequelle für den persönlichen Drive, die Potenzialentfaltung, das Über-sich-Hinauswachsen und damit nicht zuletzt auch für die Zufriedenheit bei der Arbeit.

Dies besagt auch die aktuelle Studie «Global Human Capital Trends 2019» von Deloitte (**): «Meaning is an aspirational driver», das heisst, ein individuell empfundener Sinngehalt ist eine Conditio sine qua non für eine erfolgreiche Karriere.

Meine Empfehlung: Kläre möglichst tief gehend die Bedeutung der Sinnhaftigkeit für dich persönlich und hinterfrage diese regelmässig.

*   https://gehaltsstudie.xing.com
** https://www2.deloitte.com/uk/en/pages/human-capital/articles/introduction-human-capital-trends.html#qr=sense%20is%20an%20aspirational%20driver

Elke Wüst ist Karriereberaterin bei Career & Corporate Services der Unviersität St.Gallen.

Elke Wüst ist Karriereberaterin bei Career & Corporate Services der Unviersität St.Gallen.

ZUR PERSON

Elke Wüst ist CSC-Karriereberaterin. Sie gilt als passionierte menschenorientierte Brückenbauerin mit langjähriger Vertriebs-, Führungs- und HR-Erfahrung in der Finanzbranche; ist erprobt in Sprüngen ins kalte Wasser und in der nötigen Gelassenheit – sollten die Ereignisse einmal höhere Wellen schlagen. Mit Mut, geduldiger Willensstärke und ansteckender Begeisterung zum Ziel.

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