In Zeiten von Covid-19 warten vielfältige Herausforderungen auch gerade auf Studierende, die sich im Bewerbungsprozess befinden. Wie hat Simon Blaas, ehemaliger Student an der Universität St. Gallen diese Situation gemeistert? Aktuell absolviert er ein Traineeprogramm bei der LLB und möchte gerne andere Studierende ermutigen, dran zu bleiben und an den eigenen Karriereweg zu glauben. Im Interview mit unserer Karriereberaterin Elke Wüst teilt er seine spannenden Erfahrungswerte.

 

Mein Name ist Simon Blaas und ich war als Gaststudent aus Rotterdam im Master Accounting und Finance an der HSG. Zurzeit bin ich im Traineeprogramm General Management der Liechtensteinischen Landesbank, mit dem Fokus auf Private Banking und Asset Management.

 

  • Wie haben Sie die Bewerbungsphase (während Corona) erlebt?

Aufgrund der Einschränkungen haben sich die Rahmenbedingungen damals sehr stark geändert. Zum Beispiel konnte die HSG TALENTS Conference nicht stattfinden, wodurch eine hervorragende Möglichkeit zum Networking und Kennenlernen von Arbeitgebenden entfallen ist. Auch kam es wegen der Umstellung auf Home-Office bei vielen Unternehmen zu Verzögerungen in der Bearbeitung der Bewerbungen.

 

  • Mit welchen besonderen Herausforderungen/Ängsten mussten Sie umgehen?
    Ich habe im ersten Lockdown, im April 2020, mit dem Bewerbungsprozess begonnen. Damals war die Situation noch sehr neu und auch das wirtschaftliche Ausmass und die Dauer der Massnahmen waren schwer einzuschätzen. Das hat zu der Sorge geführt, dass man gegebenenfalls zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt in den Arbeitsmarkt eintreten wird.

 

  • Was hat Ihnen in dieser Zeit geholfen?
    Die Hilfestellungen und Angebote der Career Services waren in dieser Zeit eine grosse Hilfe für mich. Trotz der vermeintlich ungünstigen Umstände hatte ich durch den Input des CSC stets das Gefühl optimal auf die Bewerbungsphase vorbereitet zu sein. Neben den Erfahrungswerten der Beraterinnen und Berater war es auch hilfreich in den Workshops die Fragen und Beiträge von Studierenden zu hören, die sich gerade in der gleichen Situation wie ich befanden.

 

  • Wann mussten Sie besonders unter Beweis stellen, dass Sie bereit sind, Ihre Komfortzone zu verlassen?

Aufgrund der Corona-Beschränkungen wurden alle Bewerbungsschritte und Gespräche online durchgeführt, was für mich ungewohnt war. Das Video-Interview-Training des CSC war in dieser Hinsicht von grosser Hilfe, da es mir die Möglichkeit geboten hat neben inhaltlichen Fragen auch wichtige Aspekte des Video-Formats zu besprechen. Besonders der Blickkontakt, die Beleuchtung und die Audioqualität waren wichtig, um auch im Video-Setting professionell zu wirken.   

 

  • Wie sind Sie auf die Traineestelle der LLB aufmerksam geworden?

Ich habe das Stelleninserat auf der Karriereplattform der HSG gesehen und mich dann im Online-Portal der LLB beworben.

 

  • Was hat Sie dazu bewogen keinen Direkteinstieg zu machen?

Für mich war die Option, nach dem Studium mehrere Bereiche des Bankings kennenzulernen, sehr spannend. Ich finde von grossem Wert, verschiedene zentrale Bereiche der Bank vertieft kennenzulernen. Auf diese Erfahrungen kann man im Laufe der Karriere sicherlich mit grossem Gewinn zurückgreifen.

 

  • Was begeistert Sie gerade an diesem Bereich des Bankings?

Mein Einsatz im Private Banking hat es mir ermöglicht, die Bedürfnisse von vermögenden Kunden genau zu erfassen und auf dieser Basis Anlagestrategien zu konzipieren und Investitionen zu tätigen. Ich habe in diesem Kontext auch den Austausch über politische und wirtschaftliche Themen sehr geschätzt.
In meinem gegenwärtigen Einsatz im Asset Management fokussiere ich mich besonders auf den Fixed-Income-Bereich und bin in ein quantitatives Projekt eingebunden.

  • Warum haben Sie sich für die Liechtensteinische Landesbank entschieden?

Die Grösse der LLB hat es mir erlaubt, schon sehr früh Verantwortung zu übernehmen und mit meinen Ideen und Vorschlägen auf Bereichsleitende und Verantwortliche zuzugehen.

Zudem finde ich auch die strategische Ausrichtung der LLB sehr interessant, da sie als sehr sichere und stabile Bank bekannt ist. Man merkt besonders auch in diesen Zeiten, wie wichtig das für Kundinnen und Kunden im Private Banking ist.
Diese Einschätzung bezüglich der LLB scheinen auch andere HSG-Absolvierende zu teilen, da in meiner Abteilung zwei ehemalige HSG-Studierende Führungspositionen bekleiden.

 

  • Wie verlief konkret der Bewerbungsprozess bei der LLB? Was waren dabei für Sie die grössten Hürden? Was hat Sie am meisten überrascht? Was war hilfreich in der Vorbereitung?

Nach dem Einreichen der Bewerbungsunterlagen und der Durchsicht von Seiten der LLB habe ich einen Link zu einer Plattform erhalten auf der kurze Video-Antworten aufgezeichnet wurden. Kurze Zeit nach dem Registrieren meiner Antworten habe ich eine Einladung zu einem zweiteiligen Bewerbungsgespräch erhalten. Im ersten Teil ging es vor allem um meine Motivation, meine fachlichen Interessen und zwei Case Studies. Der zweite Teil bestand aus einem Gespräch mit dem Leiter des Learning & Development, in dem es um mich als Person ging.

Auf potenzielle Hürden des Video-Formats war ich dank der Vorbereitung mit dem CSC gerüstet. Was mich besonders überrascht hat, war die angenehme Atmosphäre während des zweiteiligen Bewerbungsgesprächs, denn sowohl im fachlichen als auch im persönlichen Teil war der Austausch spannend und interessant. Zudem war die LLB auch sehr gewissenhaft hinsichtlich der Rückmeldungen bei den einzelnen Bewerbungsschritten, denn ich wurde immer sehr zeitnah über den Stand der Dinge informiert.

In Bezug auf die Vorbereitung war für mich neben den Services des CSC eine genaue fachliche Vorbereitung sehr wichtig. Ich habe mich im Detail mit den Geschäftsberichten der LLB auseinandergesetzt und auch mit den Herausforderungen und Entwicklungen im Bankensektor allgemein.

 

  • Das kulturelle Matching von beiden Seiten ist sehr bedeutsam, was sich häufig ja auch im persönlichen Gespräch abzeichnet (passt die Wellenlänge, die Chemie)- Wann / Wie hat es bei Ihnen virtuell «Klick gemacht»?

Für mich war das definitiv beim zweiteiligen Bewerbungsgespräch der Fall. Die fachliche Diskussion war sehr anregend und neben Elementen des klassischen Bewerbungsgesprächs ist dadurch auch ein höchst spannender fachlicher Austausch entstanden. Aufgrund dieser Dynamik konnten wir interessante Themen aufgreifen und vertiefen und inhaltliche Gemeinsamkeiten erörtern. Auch das Gespräch mit dem Leiter des Learning & Development war ausgesprochen angenehm und basierte nicht auf gängigen Standard-HR-Fragen sondern war sehr dynamisch und persönlich. Ich durfte ihn auch nach seinen eigenen Motiven und Motivationen fragen und er hat mir sehr interessante Einblicke gegeben.

 

  • Wie verlief das Onboarding Anfang September (vermutlich virtuell?) und was waren Ihre Gedanken nach den ersten Tagen? Was hat Sie besonders überrascht (gefreut/nachdenklich gestimmt)?

Das Onboarding konnte vor Ort stattfinden, was mir den Eintritt in meine Stelle sehr erleichtert hat. Das Team im Private Banking hat mich sehr herzlich aufgenommen und ich konnte bereits in den ersten Tagen sehr viele neue Einblicke gewinnen. Was ich als sehr positiv empfunden habe war, dass ein sehr offener und hilfsbereiter Austausch gepflegt wird. Zudem wurde ich auch bereits zu Beginn dazu ermutigt, mich trotz meines gerade erst erfolgten Einstieges aktiv an Diskussionen über die Gestaltung von Abläufen, Prozessen und Strategien zu beteiligen.

 

  • Welche Vorteile bietet aus Ihrer Sicht ein Trainee-Programm basierend auf Ihren ersten Erfahrungen?

Der grösste Vorteil ist sicherlich die Möglichkeit mehrere Einsätze in verschiedenen Bereichen des Bankings zu absolvieren und gezielt Schwerpunkte zu setzen. Mein erster Einsatz war im Private Banking und mein derzeitiger Einsatz findet im Asset Management statt. Durch die Möglichkeit verschiedene Einsätze zu absolvieren, bekommt man neben fachlichen Vertiefungen auch Einblicke in strategische Zusammenhänge und lernt mehr über bestehende und potenzielle Synergien.

 

 

  • Welche weiteren Erkenntnisse möchten Sie den HSG-Studierenden mitgeben?

Auch wenn es vielleicht nicht immer leicht ist mit den Ungewissheiten der Corona-

Massnahmen und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt umzugehen, können HSG-Studierende mit Optimismus auf den Karrierestart blicken. Ich rate den Studierenden das hervorragende Angebot des CSC zu nutzen und sich somit optimal vorzubereiten. Es ist sicherlich auch von grossem Vorteil auf das Alumni-Netzwerk der HSG zurückzugreifen und Kontakte zu knüpfen die sowohl in fachlicher, persönlicher, als auch karrieretechnischer Hinsicht sehr gewinnbringend sein können. Zusätzlich werden das Prestige der HSG und die engen Kontakte der Universität zur Wirtschaft den Absolvierenden auch in diesen Zeiten von grossem Vorteil sein. 

VON
Elke Wüst

Elke Wüst

Beraterin Student Career Services