Tatiana Hoy - 16.08.2018

 

Ein gutes Anschreiben sollte auf jeden Fall 3 Fragen beantworten:

A: Warum dieses Unternehmen?

B: Warum sind Sie ein/e passende/r Kandidat/in?

C: Warum passen Sie und das Unternehmen zusammen?

Bei Frage A geht es darum: ‘Warum bewerben Sie sich genau bei diesem Unternehmen und nicht bei der Konkurrenz? ’ Wenn ich Studierende bei der Optimierung Ihres Anschreibens berate, frage ich sie daher genau das als erstes. Die Beantwortung dieser Frage fällt vielen schwer. Insbesondere, bei Bewerbungen in Branchen, in der sich die Player, von aussen betrachtet, kaum unterscheiden. Strategie Beratungen, Banken, Wirtschaftsprüfungen zum Beispiel, wie soll man hier plausibel begründen, warum BCG, UBS, Deloitte und nicht McKinsey, CS oder EY beziehungsweise umgekehrt?

So können Sie an die Motivationsfrage in drei Stufen herangehen:

 

#1: Sie kennen jemanden, der dort arbeitet!

Ja? Bingo! Dann nutzen Sie das Insider-Wissen von Freunden, Bekannten in Ihrem Netzwerk. Oft sind die Menschen oder die Kultur das Einzige, worin sich Unternehmen innerhalb der gleichen Branche unterscheiden.                                                                         Aber Vorsicht! Denken Sie daran, es geht um Ihre ganz persönliche Motivation für dieses Unternehmen zu arbeiten und nicht um die Motivation Ihres Insiders. Wenn Ihnen ein Bekannter von der tollen Teamkultur erzählt, dann machen Sie im Anschreiben konkret, warum genau das für Sie auch wichtig ist. Stellen Sie den Bezug zu Ihrer Person her.

Sie haben über Ihren Bekanntenkreis keine Verbindung zum Unternehmen? Dann gibt es etliche Gelegenheiten mit Unternehmensvertretern bei zahlreichen Veranstaltungen wie der HSG TALENTS Conference in Kontakt zu kommen. Nehmen Sie an solchen Anlässen teil, bereiten Sie diese jedoch immer vor, damit Sie gute Gespräche führen können.  Wichtig, notieren Sie sich gleich anschliessend Namen und Gesprächsinhalte stichpunktartig. Oft erlebe ich es, dass der Kontakt zu weit zurückliegt und sich Studierende nicht mehr erinnern, was natürlich schade ist.

#2: Sie haben eine persönliche Beziehung zum Unternehmen, dessen Produkte oder Dienstleistungen!

Das ist oft bei der Konsumgüterindustrie und im B2C Bereich der Fall. Wenn man selbst Kunde oder sogar Fan der Dienstleistung, der Produkte ist, dann ist das eine gute Motivation, um für das Unternehmen arbeiten zu wollen, auch wenn die Tätigkeit selbst nicht direkt mit dem Kerngeschäft zusammenhängt wie in der Finanzabteilung eines Konsumgüterherstellers. Erzählen Sie hier Ihre Geschichte, die Sie mit dem Produkt, der Dienstleistung verbindet (Stichwort Storytelling).                                                

Im B2B Bereich liegt die eigene Verbindung zum Produkt oder Dienstleistung oft nicht so nahe. Aber auch hier lohnt es sich nochmals zu überlegen. Sie bewerben sich z.B. bei einem Anlagenbauer für Transportmittel, das Sie oft und gerne für Ihre Reisen nutzen.

Wenn ich #2 in meinen Beratungen vorschlage, höre ich oft erst einmal: ‘Ist das nicht zu trivial, dass ich Rivella mit Skiferien verbinde? ’  Klar, wenn Sie sich damit in Ihrem Bewerbungsschreiben nicht wohl fühlen, dann schreiben Sie es bitte auch nicht hinein. Aber letztendlich geht es ja darum, warum Sie sich mit dem Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben, identifizieren und da gibt es meines Erachtens kein zu trivial, sondern nur ein nicht authentisch.  

#3: 1 und 2 treffen nicht zu und Sie können nur auf öffentlich zugängliche Quellen zurückgreifen.

Auch hier gilt: Investieren Sie dabei mehr in Ihre Recherche als nur die Unternehmens­homepage zu durchforsten. Welche Themen treibt die Branche um, wie sieht die aktuelle Nachrichtenlage aus. Social-Media-Kanäle der Unternehmen werden auch immer ergiebiger um einen Aufhänger für Ihre persönliche Motivation zu finden.

Aus meiner eigenen Erfahrung und meine Recruiting-Kollegen/innen bestätigen das, ist es am wichtigsten, dass Sie keine Standardphrasen im Motivationsschreiben benutzen, wie ‘ihr Unternehmen ist ein Globalplayer, hat eine tolle Kultur und tolle Entwicklungsmöglichkeiten’.

Ihre Motivation sollte nicht zu generisch oder standardisiert begründet sein. Hier gibt es einen Trick, wie Sie herauszufinden, ob Ihre Motivation auf das Unternehmen zugeschnitten ist: ersetzen Sie einfach den Namen des Unternehmens durch den Namen des Hauptkonkurrenten. Wenn es nicht mehr funktioniert, dann ist das Geschriebene nicht zu generisch.

Diese Übung funktioniert aber nicht nur für den Empfänger, sondern auch für den Absender. Tauschen Sie auch Ihren Namen mit dem Namen eines anderen Studierenden und prüfen Sie so, ob Ihr Anschreiben individuell und persönlich ist oder auch 90% Ihrer Mitstudierenden das gleiche schreiben könnten. Dann nämlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Leser, die Leserin diese oder ähnliche Sätze mehrmals am Tag in den Anschreiben anderer Mitbewerber, Ihrer Konkurrenz, liest.    

ÜBER DEN AUTHOR
Tatiana Hoy

Tatiana Hoy

Beraterin Student Career Services